„Das Weingut Meyer-Näkel bleibt ein waschechter Familienbetrieb. Die Schwestern Dörte und Meike Näkel haben mittlerweile die Verantwortung im Betrieb übernommen. Wobei Grandseigneur Werner Näkel im Hintergrund natürlich noch mitmischt und seinen Töchtern bei Bedarf den Rücken freihält. Schließlich müssen die beiden eben auch Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Sukzessive hat man die Weinbereitung geändert sowie den Lesezeitpunkt nach vorne verlegt, um straffere und mineralische Weine zu erzeugen. Im Weinbau verzichtet man nun vollständig auf Herbizide und betreibt einen großen Aufwand bei der Klonselektion. Der konzentrierte und ätherisch-dunkelfruchtige Stil, gerade bei den Spitzengewächsen, ist auch mit dem hohen Anteil französischen Rebmaterials zu begründen. Auch deshalb ist der Frühburgunder aus den Spitzenlagen Sonnenberg und Pfarrwingert verschwunden. Der Rebsorte wurde es schlichtweg zu heiß. Ob von den noch verbliebenen 1,5 Hektar Frühburgunder wieder einmal ein Großes Gewächs entsteht, wird sich erst zeigen müssen.
Klasse in der Spitze Kurzum, das Weingut Meyer-Näkel ist unbestritten einer der absoluten Spitzenbetriebe an der Ahr. Die Kollektion erreicht auch in dem schwierigen Jahr 2017 das Niveau des Vorjahres. Die Großen Gewächse gehören zweifellos zu den wenigen Spätburgundern der Region, die national vorne mitspielen können. Vor allem der Pfarrwingert, quasi der Hausberg der Näkels, sticht aus der Kollektion heraus. In dieser vom Schiefer geprägten Spitzenlage besitzt man immerhin zwei Hektar und nur die besten Partien und Parzellen werden dem Großen Gewächs zugeschlagen. Der fein geschliffene Pfarrwingert betört mit ätherischen Aromen von Kräutern, Rosen und Pfeffer. Das Pendant, der Kräuterberg, zeigt am Gaumen viel warme Würze und süße Frucht. Auch die Weißweine und der beliebte Blanc de Noirs Illusion sind gut ausgefallen. Bewundern muss man den ganz eigenen, stets erkennbaren Stil: Hedonistische, unbekümmerte Saftigkeit strahlen die Weine aus, ohne dabei plump zu werden oder an Klasse und Lagentypizität einzubüßen. Besonders gut beschreibt diesen Hausstil auch der Spätburgunder S: saftige Frucht, die sich eingerahmt von feinen Toastnoten präsentiert. Die Großen Gewächse sind, wie schon erwähnt, allesamt gelungen und zeigen klar, aus welcher Lage sie kommen.“

VINUM_Weinguide_Seitenausschnitt