„Meyer-Näkel gehört zu den Ahr-Klassikern. Dieses Weingut war mitverantwortlich, dass die Ahr nicht mehr als Nahversorger des Rheinlands wahrgenommen wird, sondern einen prominenten Platz auf der deutschen Weinlandkarte einnimmt. Die Qualitätsentwicklung der gesamten Region ist mit Pionieren wie damals Werner Näkel verbunden. Er beteiligte sich nicht nur tatkräftig an der Entwicklung des Weinbaugebiets Ahr, sondern wirkte mit seinen internationalen Projekten in Südafrika und Portugal auch am wachsenden weinbaulichen Renommee dieser Länder mit. In den 1980er Jahren begann Näkel an der Ahr konsequent trockene Weine auszubauen, in einer Region also, die für ihre süßen Rotweine bekannt war. Er setzte auf Barriques, was in jenen Jahren in Deutschland ungewöhnlich war, und zählt unter anderem deshalb zu den Visionären der deutschen Weinlandschaft. Die wunderbare Entwicklung, die wir heute an der Ahr sehen, ist unter anderem dem Schaffen Werner Näkels seit den 80er Jahren zu verdanken. Seine heute für das Weingut verantwortlichen Töchter Meike und Dörte Näkel wurden in einem lange währenden Prozess in die Leitung des Weinguts eingeführt. Beide hatten in Geisenheim studiert und übernahmen dann – Meike seit 2005, Dörte seit 2008 – Aufgaben im Weingut. Dieser langsame, kontinuierliche Übergang sorgte für einen reibungslosen Generationenwechsel. Die beiden Schwestern führen das Weingut souverän auf dem Qualitätsweg weiter und haben es geschafft, den Stil des Hauses zu bewahren und gleichzeitig weiterzuentwickeln. Die angestellten Weine zeichnen sich durch Eleganz und Vielschichtigkeit aus, sie zeigen ein balanciertes Spiel von Frucht und Holzeinsatz. In den Großen Gewächsen werden rund 70 Prozent neue Barriques
eingesetzt, dennoch dominiert nie das Holz. Hier zeigt sich langjähriges Know-how. Das Weingut verfügt über Weinberge in den besten Lagen der Ahr. Es erzeugt Große Gewächse aus dem Neuenahrer Sonnenberg, dem Ahrweiler Silberberg, dem Dernauer Pfarrwingert und dem Walporzheimer Kräuterberg. Aber es werden auch Klassiker gefüllt wie der „Us de la meng“, ein Ahr-Wein ohne Barrique-Einsatz, im besten Sinne als Zechwein gedacht. Mittlerweile gibt es auch eine Kooperation über die Regionsgrenzen hinweg, nach dem Motto „Wer A sagt, muss auch B sagen“. „Hand in Hand“ heißt das gemeinsame Projekt mit dem badischen Weingut Klumpp. Gleichwohl ist Meyer-Näkel kein reines Rotweingut. Der angestellte Weißburgunder präsentiert sich mit einer Aromatik von Mirabellen und gelben Birnen und einer vitalen Säure. Der Blanc de Noirs Illusion zeigt sich mit feiner Frucht und viel Saftigkeit. Die beiden Spätburgunder Grauwacke und Blauschiefer sind darauf ausgelegt, die Unterschiede zu verdeutlichen, die die Böden dem jeweiligen Wein mitgeben. Dies ist gut gelungen, beide Weine zeigen sich unterschiedlich in Struktur und Aroma. Der Spätburgunder „S“ dient quasi als Scharnier zu den Großen Gewächsen: Er ist rauchig mit dunkler Frucht, harmonisch eingebundenem Holz und deutlich komplexer. Die Großen Gewächse überzeugten uns mit ihrer aromatischen Klarheit, Tiefe und Komplexität. Der Silberberg ist noch vom neuen Holz geprägt, zeigt sich speckig-rauchig, kompakt, mit engmaschigem Tannin. Der Sonnenberg ist deutlich stärker auf der fruchtigen Seite, die Säure ist milder, er wirkt runder. Der Pfarrwingert duftet nach dunklen Beeren, Schwarzkirsche, Schokolade, Holzrauch und Lavendel. Am Gaumen geht es ebenso intensiv weiter – ein Wein mit kraftvoller Struktur. Der Kräuterberg bildet die qualitative Spitze: ein kühler Stil mit zarter Frucht, Kräutern und Holzwürze, komplex und mit viel Spannung. Unser Fazit: eine rundum gelungene Kollektion!“

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